Steinbacherhof

Raum für Bewegung und Begegnung – mit Mensch und Pferd

Impressionen zu unserem pferdegestützten Therapie-Projekt – SPZ Laa an der Thaya

Ich kann jedes Mal wieder miterleben, wie viel Freude die Therapiepferde den Kindern bereiten. Sie helfen ihnen beim Be-rühren, Führen, und Getragenwerden. Die Arbeit mit dem Medium Pferd (Cindy, Lorena, Lucy, Sammi) und das Reiten an sich sprechen die Kinder ganzheitlich und über alle Sinne an. Es fordert sie körperlich, emotional, geistig und sozial, wobei die Beziehung zum Pferd die tragende Rolle spielt. Doris fördert im Beziehungsdreieck Klient-Pferd-Reittherapeut den konstruktiven Umgang miteinander, Ziele sind dabei die persönliche und soziale Entwicklung. Die Umsetzung erfolgt durch den direkten Kontakt und Umgang mit dem Pferd, das Pflegen des Pferdes, das Führen des Pferdes und durch Übungen auf dem ungesattelten Pferd. Die Pferde selbst (therapeutisch speziell ausgebildete Haflinger und Shettys) begeistern nicht nur die Kinder, sie faszinieren auch mich durch ihren ruhigen, geduldigen, kontaktfreudigen und empfindsamen Charakter. Die Pferde sind so sensibel, dass sie die Gefühlswelt der Kinder aufnehmen und kompensieren können! Aus der Geschichte heraus lässt sich erklären, dass sich Pferde hoch spezialisierte Wahrnehmungs-und Verhaltensweisen erworben haben und deshalb bei ihrem Gegenüber und in der Umgebung sofort emotionale Spannungsfelder wahrnehmen und sich entsprechend darauf einstellen können. Diese Fähigkeit der Pferde, die innere und äußere Haltung ständig widerzuspiegeln, bietet eine wunderbare Möglichkeit der persönlichen Weiterentwicklung für die Kinder (und uns alle). Eine Aussage, die ich unlängst hörte, lässt mich nicht mehr los: Die Reittherapie ist eine Therapie, die wirkt, ohne dass es das Kind merkt, dass es therapiert wird, mit einem vierbeinigen Partner, der hilft, ohne zu wissen, dass er ein Therapeut ist. Das Pferd fordert zu einer eindeutigen Kommunikation und Klarheit auf. Es sendet nur eindeutige Signale auf der nonverbalen Ebene im Gegensatz zum Menschen, wo verbale und nonverbale Botschaften differieren können. Für das Pferd ist es auch nicht wichtig, was ein Mensch erlebt hat, sondern wie er sich im Augenblick fühlt, und wie authentisch er sich gibt. Pferde lassen sich nicht durch vordergründliche Äußerlichkeiten täuschen wie z.b. wie attraktiv, beherrscht oder stark ein Mensch auftritt- Das Pferd reagiert auf Gestik, Stimme, Atmung, Stimmungssignale, Körperspannung und die Echtheit der Beziehung. Das Pferd bricht schnell Abwehrmechanismen, da es einen sehr hohen Aufforderungscharakter hat. Das Pferd schafft immer eine beruhigende, motivierende Atmosphäre, zumal es von Natur aus freundlich und neugierig ist.

In meiner Klasse zeigen sich speziell folgende Indikationen für die pferdegestützte Therapie:

Verhaltensauffälligkeiten, Probleme im emotionalen und sozialen Bereich, Teilleistungs- und Lernschwächen, Wahrnehmungs- und Sprachstörungen. Dies macht sich deutlich durch Symptome wie Kontaktarmut, Distanzlosigkeit, vermindertes Selbstwertgefühl, Ängstlichkeit, Antriebsarmut, soziale Retardierung, Aggressivität, verminderte Frustrationstoleranz und Hyperaktivität. In der Begegnung mit dem Pferd liegt eine Kraft, die das Wesen tief im Inneren stärkt. Es ist immer wieder ergreifend zu bemerken, wie die Verhaltensweisen der Kinder durch die emotionale Kontaktaufnahme zum Tier, durch gezielte Übungen in der Kommunikation mit dem Pferd sowie eine gezielte Gruppendynamik positiv beeinflusst werden können. Indem das Pferd frei von Vorurteilen ist und nicht wertet und unmittelbar auf das Verhalten des Kindes reagiert, setzt es natürliche Grenzen. Somit können Verhaltensveränderungen herbeigeführt werden.

Ablauf unserer Projekteinheit am Steinbacherhof:

Pflegen und Putzen des Pferdes – Dies fördert Beziehungsaufnahme, den Erwerb von praktischen Fähigkeiten, den Abbau von Berührungsängsten, die Förderung der Achtsamkeit und das Eingehen auf Bedürfnisse anderer. Beim Pflegen und Putzen des Pferdes geht es nicht in erster Linie um das “Saubermachen des Pferdes, sondern vielmehr um eine Intensivierung des Körperkontaktes. Dabei können Emotionen entstehen von Wohlbefinden, Freude, aber auch Angst und Ekel. Es geht dabei auch um Berühren und Berührt werden, und um das Zulassen und Erleben von Körpernähe. Im Wahrnehmen, wo und wie sich das Pferd sich jeweils gerne berühren und verwöhnen lässt – und wo es eigene Bedürfnisse gibt, sich dem Pferd zu nähern, wird das Fremd- und Selbstempfinden gestärkt. Es geht aber auch hier um ein Gruppenerleben, z.b. wer leitet wen an und inwiefern kann der Einzelne Unterstützung einfordern und annehmen.

Getragen werden auf dem Pferd / Geführt werden – Das Sitzen und “Geführt werden” auf einem ungesattelten Pferd, das nur mit einem Voltigiergurt und Decke ausgerüstet ist, ermöglicht das intensive Erspüren der Bewegungen des Pferderückens. Diese harmonischen Bewegungen des ganzen Körpers fördern die eigene Körperwahrnehmung, Koordination und Motorik, können unter Umständen Verspannungen oder Rückenschmerzen lösen und stimulieren das seelische Fühlen und Empfinden. Gleichzeitig geht es auch um Themen wie: Ausgehalten werden, Halt spüren, Getragen werden und Loslassen. Je besser man loslässt, desto besser kommt man in die Bewegung des Pferdes. Bildhafte Übungen helfen schnell die eigene Körperwahrnehmung zu verbessern und sein Gleichgewicht auf dem Pferd zu finden. Die Energie kommt so besser ins Fließen und Blockaden können sich lösen. Das Sitzen auf dem warmen Pferderücken, das Vertrauensvolle sich einlassen in die harmonisch gleichmäßige Bewegung, das Finden und Erleben des eigenen Schwerpunktes, sowie das Getragenwerden sind Erlebnisse, die an das Getragenwerden im Mutterleib oder auf den Arm der Mutter erinnern, und sehr heilsam sein können. Seelische und körperliche Verkrampfungen können sich lösen. Manchmal spürt man aber auch seine Unlebendigkeit des Körpers, seine innere Anspannung oder eventuelle Blockaden. Diese können durch die dreidimensionale Schwingung des Pferdes und bestimmter Körperübungen gelockert oder sogar gelöst werden. Es geht aber auch um ein spielerisches Kennenlernen eigener Fähigkeiten und das Spüren und Annehmen des eigenen Körpers.

Aktive Auseinandersetzung / Führung übernehmen – Pferde suchen in ihrem Gegenüber auch jemanden, der sie führt. Sie sind daher nicht so leicht bereit einer Person zu folgen, die kein klares Gespür für sich selbst hat und Unsicherheit, Zwang oder Aggression in sich trägt. Pferde reagieren aber nicht wertend, sie rächen sich nicht und sie bestrafen auch nicht. Dadurch erfahren Kinder, dass ihr negatives Verhalten nicht unbedingt und nicht überall aggressive, strafende Reaktionen hervorruft. Das Pferd fordert also die Kinder auf, im Prozess des Miteinanders das eigene Verhalten gemeinsam in sanfter Begleitung mit Doris zu überdenken. Die Zügel selbst in die Hand nehmen bedeutet daher für viele einen wichtigen Entwicklungsschritt zu mehr Durchsetzungsvermögen, Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit. Man ist mehr im Hier und Jetzt, und lernt auch, unerwartete Situationen zu meistern. Ich habe immer wieder miterlebt, wie Kinder in der Auseinandersetzung mit den Pferden wachsen und stärker werden. Schüchterne Kinder begannen plötzlich zu plappern und aggressive Kinder wurden ruhig.

Danke für diese Erlebnisse!

Romana Railender (Klassenlehrerin der SPZ Laa an der Thaya – Frühjahr 2014)

Originalbericht mit Fotos

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